Samstag, 13. Juni 2009

mala leche?

GENTECHNIKFREI steht auf vielen Südtiroler Milchpackungen groß drauf. Eine gute Vermarktungsstrategie allemal und auch den Konsumenten dürfte es freuen eine solche Garantie zu bekommen.
Ob sich die gentechnikfreie Produktion von Milchprodukten tatsächlich direkt auf deren Qualität auswirkt, dass sie gar die heimischen Käse besonders schmackhaft macht, wie vor einigen Jahren in einem Fernsehinterview von einem Werbefachmann behauptet, sei natürlich dahingestellt. Darauf wirken sich andere Faktoren, etwa Bewirtschaftungsweise (z.B. biologisch oder konventionell) oder Veredelung weit stärker aus.
Der Aufhänger der gentechnikfreien Milch wird hierzulande oft mit naturnaher Bewirtschaftung verwechselt. Doch der Verzicht auf Gentechnik in der Milchproduktion bewahrt unsere Landschaft noch lange nicht vor Planierungen und Meliorierungen, vor Naturzerstörung und Artenschwund. Das Prädikat der Gentechnikfreiheit verbirgt die Schieflage der heimischen Landwirtschaft, kaschiert deren fahrlässigen Umgang mit unserem Natur- und Kulturerbe.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Leserbrief zur Unterschutzstellung des Eisackes

(Aus ff 24 vom 11. Juni 2009)

Der Lauf des Wassers

Wie die Umweltschützer sich die Unterschutzstellung des Eisack vorstellen

Der Entwurf des Wassernutzungsplanes vom Jahre 2007 sieht die Unterschutzstellung des Eisacks von Freienfeld bis zum Maulser Bach vor. Eine neue Formulierung, welche – laut Landesrat Laimer – die Unterschutzstellung des Eisacks bis zum Stausee von Franzensfeste anstrebt, soll demnächst verabschiedet werden.
Unterschutzstellung heißt für uns, dass der Eisack im Istzustand weiterfließen darf. Die bestehenden vier privaten E-Werke dürfen keinen Liter mehr Wasser und keinen Meter mehr an Ableitungsstrecke erhalten; gegen eine Modernisierung der Anlage selbst haben wir uns nie ausgesprochen.
Aufgabe der politischen Vertreter mit ihren Beratern ist es nun, die versprochene und angekündigte Unterschutzstellung so zu formulieren, dass es sich tatsächlich um eine Unterschutzstellung der letzten naturnahen Kilometer des Eisacks handelt. Ansonsten könnte es im schlimmsten aller Fälle passieren, dass ein Großkraftwerk verhindert wurde, jedoch Hintertüren für mehrere private Interessenten, welche sich dann Sel und Gemeinden mit ins Boot holen werden, geöffnet werden. Damit würde der scheinbar unter Schutz gestellte Eisack völlig zerstört und zu einer reinen Ab- und Einleitungsstrecke von Mauls bis Franzensfeste.
Diese Befürchtungen sind deshalb so konkret, weil bei der Ausarbeitung des Wassernutzungsplanes im Hintergrund Stromlobbysten mitarbeiten, die sicherlich nicht eine maximale Unterschutzstellung anstreben. Deren Hauptinteresse besteht darin, unter dem ökologischen Deckmantel eine gerade noch vertretbare Lösung zur maximalen Ausbeutung des Flusses zu formulieren.
Christoph Hofer, SOS Eisack, Walter Fleckinger, Verena Überegger,
Initiativgruppe Mauls

Samstag, 6. Juni 2009

geplantes Schotterwerk Eppan - Unterrain

Wenn in Südtirol Leute auf die Straße gehen muss Feuer auf dem Dach sein. Protestierer sind wir beileibe keine. Weit lieber als mit ein paar Plakaten um die Häuser zu ziehen verstauen wir die Bergschuhe im Kofferraum, schnallen Schier auf den Gepäcksträger oder schwingen uns auf die Drahtesel und genießen Natur und Landschaft gleich um die Ecke. Wenn aber eben diese auf dem Spiel steht? Dann sind auch schon mal hierzulande gar nicht wenige Leute bereit dagegen aufzutreten - so geschehen im Jänner dieses Jahres.
Die geplante Schottergrube erhitzt zurecht die Gemüter des Überetsches und des Etschtales. Was konnte unsere Politiker dazu bewegen ein solches Monsterprojekt zuzulassen? Warum setzen sie sich nicht mit aller Vehemenz dagegen ein? Für ein Projekt das einigen Wenigen viel Geld in die Taschen spült, das für die Südtiroler Wirtschaft durchaus entbehrlich ist, das nur wenige Arbeitsplätze schafft, für ein solches Projekt soll Landschaft verunstaltet werden, soll die Lebensqualität der Anrainer durch Staub und Lärm über Jahre hinweg beeinträchtigt werden.
Die Regierenden in Südtirol scheinen jedenfalls in der Tat den Sinn ihrer Arbeit vergessen zu haben. Politik die nur kleinen Lobbies, nicht aber dem Allgemeinwohl dient, verliert ihre Legitimation.

Samstag, 30. Mai 2009

damit es auch in Zukunft kreucht und fleucht... - Stellungnahme zum Eintrag "Bozens verborgene Schätze"

Es seien an dieser Stelle zwei Punkte angemahnt:
Dieser schönen Aktion sollten wirchlich auch Taten folgen. Die Ankündigung von Stadtrat Ladinser, die Daten bei der Erstellung von Bauleitplänen einfließen zu lassen sollte auch tatsächlich umgesetzt werden. Zudem sollte auch gewährleistet werden, dass die Informationen auch bei den sogenannten Bagatelleingriffen berücksichtigt werden. Diese stellen oft lediglich für den Bauer und das Baggerunternehmen eine Bagatelle dar, für Tiere und Pflanzen ganz und gar nicht.

Außerdem ist es dringend erforderlich für einige höchst seltene und höchst gefährdete Pflanzenarten Spezialprogramme in Gang zu bringen, indem man ihre Lebensräume angemessen schützt und pflegt. Dies betrifft ganz besonders die Trockenrasen am Guntschnaberg. Hier finden sich noch Restpopulationen einiger in Südtirol (und im ganzen Alpenbereich!) beinahe verschwundener Arten. Botanische Kostbarkeiten, wie etwa die Gelb-Wicke (Vicia lutea) oder das Zwerg-Filzkraut (Filago minima), die in der Roten Liste mit hohen Gefährdungsstufen vertreten sind, finden hier noch ein Auskommen. Die Trockenrasen werden aber durch die veränderte Landwirtschaft kaum mehr gepflegt. Hier wäre ein langfristiger Einsatz der Umweltämter unbedingt notwendig.

Bozens verborgene Schätze



















(Artikel und Karikatur aus: Tageszeitung Dolomiten, Nr.121, 28.05.2009)

Es kreucht und fleucht um Bozen
Erhebung zu Flora und Fauna der Landeshauptstadt – Zahlreiche bedrohte Arten

Bozen (hhk) – Spätestens seit dem spektakulären Ausflug eines Hirsches in die Bozner Innenstadt,dürfte auch dem überzeugtesten Stadtmenschen bewußt sein, dass einiges Getier und noch mehr Pflanzen auf dem Gemeindegebiet leben. Das Umweltamt wollte es nun genau wissen und gab eine Untersuchung zum Thema Flora und Fauna in Auftrag.

Ein halbes Jahr war Priska
Egger, die die Erhebung durchführte, beschäftigt, Daten von verschiedensten Institutionen zu sammeln. Ziel war es einen Status Quo der Tier- und Pflanzenwelt Bozens zu erhalten, die Vorkommen der einzelnen Arten zu kartografieren und sensible Zonen ausfindig zu machen. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf gefährdete Spezies gelegt. Der Studie zufolge findensich auf Bozner Gemeindegebiet 1073 Pflanzenarten, von denen 16 Prozent (175) zu den gefährdeten zählen, die sich auf der so genannten Roten Liste befinden. „Rückzugsgebiete“ der bedrohten Arten sind vor allem der Guntschnaberg, die Oswaldhänge, der Virgl und Kohlern, der Sigmundskroner Hügel, St. Justina und St. Magdalena sowie die Etschgräben. Von den 19 in Bozen beheimateten Süßwasserfischen zählt die Mühlkoppe zu den am stärksten gefährdeten Arten. Ebenfalls vom Aussterben bedroht ist der zu den Brutvögeln zählende Flussregenpfeifer. Der Bozner Talkessel ist aber auch unter Zugvögeln eine beliebte Raststation. Die Reisenden bevorzugen dabei neben den Flussufern – man höre und staune – vor allem das Gelände um den Flughafen und sogar die Landebahn selbst. „Erst kürzlich haben 22 Störche in der Flughafengegend Station gemacht“, erzählt Egger. Und auch den ursprünglich aus Asien stammenden Rosenstar verschlage es auch ohne Funknavigation immer wieder auf das Flughafengelände. Unter den Säugetieren sind Rotwild, Feldhasen, Dachse und Füchse die prominentesten Vertreter. Doch auch Gamswild hat auf Bozner Gemeindegebiet seine Heimat gefunden. Neben der Schaffung von Bewusstsein für die uns umgebende Natur hat die Kartografierung der Flora und Fauna auch verwaltungstechnischen Nutzen. „Wir können die Daten bei Vorhaben – wie beispielsweise der Erstellung des Bauleitplanes – miteinfließen lassen“, erklärt Umweltstadtrat Klaus Ladinser und fügt an: „Flora und Fauna sind als Teil des Bozner Lebensraumes unbedingt erhaltenswert“.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Arme Kulturlandschaft - Reaktionen

Leserbriefe bezugnehmend auf Gastkommentar von Andreas Hilpold in ff 20/09 über den Artenschutz in Südtirol.

ff 22/09

Die intensiv betriebene Landwirtschaft, die übertriebenen Planierungen in fragwürdigen Höhenlagen und die maßlosen Überdüngungen haben die Existenz vieler Pflanzenarten zerstört. Viele Magerwiesen und Feuchtgebiete sind verschwunden; die „rote Liste“ der gefährdeten Tier und Pflanzenarten steigt dramatisch an. Durch die Gülle verätzen und verbrennen zahlreiche sensible Bergblumen. Bei Meliorierungen wird das fein geflochtene Wurzelnetz radikal zerstört. Die Verrohrungen von Bächlein müsste strafrechtliche Konsequenzen haben. Beim Biotopschutz ist die Lage noch schlimmer. Durch fehlende Zäune landet die Gülle auf Bäumen, Sträuchern und verschmutzt das Grundwasser. Die Amtsträger kontrollieren dürftig, die Strafen sind so winzig, dass sie keine Abschreckung bewirken; bleibt nur mehr der aktive Naturschützer vor Ort, den jedoch bekämpft man mit der harten Faust! Für einen besseren Naturschutz, der klare Auflagen vorgibt, zwischen Biotope-Auen-Magerwiesen und Feuchtgebiete! Michael Burger, Gsies


Die politischen Vertreter bemühen sich stereotyp, Bauern a priori als „Landschaftspfleger“ hinzustellen. Diese Pauschalisierung (auch die gegenteilige Behauptung wäre natürlich eine unzulässige Pauschalisierung) entbindet diesen Berufsstand – und vor allem die Politik, die dahinter steht – von der Verantwortung für die Landschaft. Für jene Landschaft, mit der wir uns identifizieren möchten und in Broschüren um den Gast werben!Ich jedenfalls verstehe es nicht als „Pflege“, wenn ganze Landstriche bis zu den Almen hinauf nivelliert werden, die verbliebene kleinstrukturierte Kultur- und Naturlandschaft weiterhin ausgeräumt wird und wenn sogar schon Bergwiesen vor lauter Gülle ökologisch (und aus Sicht des Futterbaus!) zu kippen drohen. Thomas Wilhalm, Bozen.

Unsere Regierung nennt sich demokratisch, auf Deutsch bedeutet das Volksherrschaft. Und wie funktioniert sie bei uns? Alle 5 Jahre kann das Volk wählen, die erkorenen Abgeordneten unterstehen bereits fast alle einer Partei. Aus ihrem Kreise wird die Regierung gebildet, bestehend aus Landeshauptmann und seinen Räte (Ministranten, laut SVP Hans Widmann). Diese kleine Gruppe von Politikern, wenige davon selbst denkend, hat eine ungeheuere Macht. Obwohl weit entfernt von den Vorstellungen und Willen des Volkes, trifft sie alle Entscheidungen. Nennt man das nicht Oligarchie? Otto Senoner, Wolkenstein

Freitag, 22. Mai 2009

Ausweg Biogas?

Der Produktion von Biogas durch Gülle ist prinzipiell nichts entgegenzusetzen, schliesslich kann dabei Energie hergestellt werden ohne fossile Brennstoffe zu verwenden. Der positivste Nebeneffekt ist, dass die Gülle geruchsfrei wird, sprich für Anwohner und Wanderer keine Belästigung mehr darstellt. Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass durch die Produktion von Biogas die Gülle nicht an Gefährlichkeit für Natur und Landschaft verliert. Die Nährstoffe in der Gülle, allen voran Stickstoff und Phosphor bleiben erhalten und werden in einem zweiten Schritt auf die Wiesen ausgebracht, was zu einem Überangebot derselben im Boden führt und für zahlreiche Pflanzenarten negative Auswirkungen hat. Übrig bleiben am Ende einige wenige Allerweltsarten, sprich einige Gräser und Kräuter (z.B. Löwenzahn, Hahnenfuss, Sauerampfer). Der zunehmenden Verarmung unserer Wiesen und damit unserer Kulturlandschaft wird damit nicht Einhalt geboten. Dafür wäre vielmehr eine Senkung der Grossvieheinheiten nötig, sowie der Verzicht von Gülle als Düngemittel, vor allem in sensiblen Lagen, etwa an und oberhalb der Waldgrenze. Falls die Forcierung von Biogasanlagen verwendet wird um die derzeit schon extrem hohe Gülleproduktion in der heimischen Milchwirtschaft zu rechtfertigen oder gar diese zu verstärken ist dem Biogas aus Sicht des Naturschutzes skeptisch zu begegnen. Es sei auch darauf hingewiesen, dass die derzeit produzierten hohen Milch- bzw. Güllemengen in Südtirol lediglich durch eine massive Zufuhr von Kraftfutter von ausserhalb ermöglicht werden. Durch diesen Transport von Getreide und Leguminosen nach Südtirol kommt es auch zu einer hohen Einfuhr von Mineralen aus anderen Gebieten. Dieser droht langfristig eine Degradierung und Versalzung der heimischen Böden zu verursachen. Eine nachhaltige Landwirtschaft, die die Lebens- und Wirtschaftsgrundlage auch der kommenden Generationen nicht zerstört, ist auf diese Weise nicht möglich.
 
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