Ich möchte hier nicht über Sinnhaftigkeit des besagten Projektes sprechen, darüber mögen sich andere den Kopf zerbrechen. Es kann aber kaum ein Zweifel darüber bestehen, dass das Bauvorhaben landschaftlich der sprichwörtlichen Faust aufs Auge gleichkommt. Mag das Vorhaben zu guterletzt auch mit noch soviel Umsicht umgesetzt werden (was in Südtirol bisher ja eher die Ausnahme als die Regel war), wird das Hotel doch ein Fremdkörper in der Landschaft bleiben. Vielleicht wird es nicht grad eines jener Ungetümer werden, worüber sich unsere Enkel noch ärgern werden, so wie wir uns heute schon für begangene architektonische Verfehlungen schämen müssen, etwa für ein Hotel Saxl bei Freienfeld oder für ein Hotel Schneeberg in Ridnaun. Nicht zu unrecht fragen wir uns in solchen Fällen: Wer konnte so etwas nur genehmigen, und warum hat niemand laut aufgeschrien, als die Pläne bekannt wurden (doch vielleicht hat jemand geschrien, nur halt nicht laut genug...). Doch hoffen wir diesbezüglich noch das Beste.
Rein landschaftlich ist das Projekt aber auf jeden Fall abzulehnen. Die Mittelgebirgsterrasse von Mellaun und Klerant ist von Zersiedelung noch weitgehend verschont geblieben und behielt dadurch ihre landschaftliche Schönheit, ein Produkt einer jahrtausendealten, umsichtigen Bewirtschaftung. Der Hotelkomplex würde sich fatal darauf auswirken. Zudem gibt es keine vernünftigen Argumente das Ganze nicht in Dorf- oder Stadtnähe zu errichten, außer dass - wie so oft - der Weg des geringsten Widerstandes gegangen wurde, sprich dort gebaut werden soll, wo Grund einfach verfügbar ist.
Der Eingriff in die Natur mag auf dem ersten Blick, verglichen mit den landschaftlichen Folgen, bescheiden erscheinen. Die Wiesen des Mittelgebirges sind größtenteils schon stark eutrophiert. Die Naturvielfalt haben Bewirtschaftungsänderungen (z.B. Auflassung des Ackerbaues), Düngereinsatz und Entwässerung schon weitgehend vernichtet. Doch wer die indirekten Eingriffe mitrechnet, muss auch diesbezüglich die Handbremse ziehen. Auf den Zufahrtsstraßen der Dörfer und Höfe passt kaum ein etwas breiterer Lastwagen, geschweige denn ist Platz für zwei Luxuskarossen. Ohne massive Eingriffe in die Natur kann ein solches Vorhaben also nicht auskommen.
Warum soll also Natur und Landschaft leiden, wenn es anderswo genauso gut ginge? Wäre es nicht höchst an der Zeit, dass sich Projektanten und Gemeinde nach Alternativstandorten umschauen würden, anstatt wieder einmal mit dem Kopf durch die Wand zu wollen?
Abbildung erstellt vom Verein "Heimat Brixen Bressanone Persenon" (Graphik entnommen von http://www.oew.org/de/archiv_news.php?id=1206&arch_id=1&annorum=2009) Weitere Informationen zum Projekt sind auf der Homepage des Vereines verfügbar: www.heimat.bz.