Mittwoch, 22. Juli 2009

Sand in Asphalt



(Fotos von der Umweltschutzgruppe Vinschgau freundlicherweise zur Verfügung gestellt)

Wenn sogar beim Giro d'Italia schon ein Abschnitt auf ungeteerter Strasse zurückgelegt wurde, sollte dies für Freizeitfahrer erst recht möglich sein. Schliesslich geht es dabei um ein Teilstück, das man in wenigen Minuten bewältigt haben dürfte. Natürlich entspräche dies nicht dem Ordnungssinn von einigen (vielleicht allzu) eifrigen Beamten im Lande. Doch in diesem Fall sollten sie wohl einen Schritt zurückrudern. Ein grosser Teil der Radfahrer schwingt sich ja gerade deswegen auf den Drahtesel, weil sie Natur und Landschaft nicht vom Autofenster aus beobachten wollen, sondern hautnah. Ein ungeteertes (aber gleichwohl glattes und ordentlich gepflegtes) Stück Fahradweg würde sie erst recht darauf hinweisen, dass sie sich an einem ganz besonderem Ort befinden. Und vielleicht kämen sie gerade dadurch auf die Idee einmal kurz anzuhalten und einen etwas genaueren Blick auf die Prader Sand zu werfen und würden dann so manchen Schatz entdecken, der ihnen sonst verborgen geblieben wäre.

Montag, 20. Juli 2009

Asphalt in Sand

(Foto und Pressemitteilung der Umweltschutzgruppe Vinschgau vom 18. Juli 2009. Die Umweltschutzgruppe ruft dazu auf Fotos von der noch ungeteerten Prader Sand zu schiessen!)



Prader Sand nicht mit Asphalt zerschneiden

Mit großem Bedauern haben wir die Nachricht vernommen, dass der bisher naturbelassene Radwegabschnitt durch die Prader Sand asphaltiert werden soll. Das hat jedenfalls die Mehrheit des Prader Gemeinderates auf Wunsch der Bezirksgemeinschaft Vinschgau beschlossen. Während man die überaus bekannte Prader Sand als Aushängeschild für Naturerlebnisaktivitäten mit eigenem Logo benutzt, ignoriert man ökologische Argumente gegen eine Asphaltierung des 1,2 Km langen Radweges durch dieses einmalige Naturgebiet. So sollen in nächster Zukunft mehrere Naturerlebniswege mit öffentlicher Finanzierung am Rande der Prader Sand errichtet werden. Die grundlegenden Ideen dazu hatte bereits die Initiativgruppe Prader Sand vor mehreren Jahren geliefert, welche jetzt konkretisiert und vom Gemeinderat gutgeheißen wurden. Diese Entwicklung kann im Sinne einer nachhaltigen Nutzung begrüßt werden. Leider wird das angestrebte Naturerlebnis-Konzept durch die negative Beeinträchtigung einer Asphaltbahn stark in Frage gestellt.

Nachdem man auf die Argumente, wie ökologische Barriere, negative Beeinträchtigung des Landschaftsbildes in sensiblem Gebiet, Unstimmigkeit im Naturerlebnis-Konzept nicht eingehen wollte, wurde die Asphaltierung mit den anscheinend hohen Reparaturkosten begründet. Laut Aussagen des Radweg-Verantwortlichen der Bezirksgemeinschaft Vinschgau Hansjörg Dietrich fallen jährlich auf diesem Abschnitt Kosten in Höhe von 2.500,00 Euro an. Wir nehmen an, dass auch bei einem Asphaltweg einige Instandhaltungsarbeiten notwendig sein werden. Wie kurzsichtig die voreilige Entscheidung im Prader Gemeinderat gefallen ist zeigt die Tatsache, dass keinerlei Kostenvergleich mit der Asphaltierung vorgelegt worden ist. Anscheinend spielt es keine Rolle, mehrere 10.000,00 Euro für die Asphaltierung auszugeben, aber 2.500,00 Euro jährlich für die Instandhaltung bereitzustellen, ist ein Riesenproblem. Diese Sichtweise ökonomischer Logik bestätigt auch die Errichtung zahlreicher Schranken am Radweg, die unnütz aufgestellt wurden und immer offen sind. Auch beim Bau des Radwegabschnittes durch einen geschlossenen Auwald in Spondinig sowie Pflegemaßnahmen mit Herbiziden hat die Bezirksgemeinschaft Vinschgau immer wieder mangelnde ökologische Sensibilität an den Tag gelegt.

Umweltgelder könnten nicht nur in die Errichtung von Naturerlebniswegen, Sitzbänken usw. investiert werden, sondern auch in eine gute Instandhaltung des 1,2 Km langen naturbelassenen Radweges durch die einzigartige Prader Sand. Das wäre eigentlich sinnvollster Einsatz von öffentlichen Umweltgeldern.

Wir appellieren daher an die zuständigen Entscheidungsträger, sich für die Erhaltung dieses besonderen Radwegabschnittes ohne Asphalt auszusprechen. Die Prader Sand ist bisher von einem derartigen massiven Eingriff durch einen Fremdkörper verschont geblieben und sollte es auch weiterhin bleiben.

Umweltschutzgruppe Vinschgau

Dienstag, 14. Juli 2009

Das Zitat des Monats

(aus HGV-Zeitung, Nr.7, Juli 2009, Bild eingesandt von einem Leser)



"Die Auszeichnung Weltnaturerbe ist die Krönung unserer Landschaftsschutzpolitik" Michl Laimer. Dass ein HGV, also eine - zumindest auf dem Papier - unabhängige Interessensvertretung die von Michl Laimer getätigte Aussage ernst nimmt und sie gar als Zitat des Monats auswählt, spricht Bände. Gerade der Verband der auf Gedeih und Verderb auf eine intakte und attraktive Landschaft angewiesen ist, sollte die aktuelle Landschaftsschutzpolitik eigentlich kritisch hinterfragen anstatt sie unbesonnen hochleben zu lassen.

Oder aber wir unterschätzen den HGV. Vielleicht ist er schon einen Schritt weiter, und hat den Satz als das enttarnt was er schliesslich ist: ein Werbegag eines Politikers der in gerade den Bereichen, die er mit schmucken Worten zu preissen vermag, schlichtweg versagt hat.

Und weil das gar zu offensichlich ist, und beinahe jedem, der das aktuelle Geschehen mit offenen Augen verfolgt, auffallen dürfte, verzichtet der HGV auf jeglichen Kommentar, verkneift sich sogar den Scherz den Sager Laimers als "Witz des Monats" anstatt als "Zitat des Monats" zu bezeichnen. Manche Aussage gibt sich eben selbst der Lächerlichkeit preis, ist die Karikatur ihrer selbst. Die schlechtesten aller Filme parodieren sich selbst - da erübrigt sich jede noch so gut gemachte Veralberung.

Sonntag, 12. Juli 2009

mar de plastico af puschtrisch


(Erdbeerplantage bei Niedervintl im Pustertal. Foto eingesandt von einem Leser, Juni 2009)

Ein Stück authentische Südtiroler Kulturlandschaft. Findet sich leider in keinem Hochglanzprospekt, zeigt sich aber sehr wohl jedem, der durch's Pustertal fährt. Und sind die mit Hagelschutznetzen abgedeckten Apfelplantagen in der südlichen Landeshälfte so ganz verschieden? Der Bauer als Landschaftspfleger ist jedenfalls ein Stereotyp das zunehmend hinterfragt werden muss.

Sonntag, 28. Juni 2009

Tourismuskonjunktur wofür?

Die Erweiterung zweier Schigebiete im Hochpustertal wurde vorletzte Woche von der Landesregierung genehmigt. Zwar punktuell, aber doch großflächig wird Landschaft und Natur unwiederbringlich verändert, und wohl kaum zu einem Besseren. Soweit so schlecht. Wenn es triftige Gründe gibt dann sollte es erlaubt sein auch ein Stück Natur für Fortschritt zu opfern, dann wird aus moosigem Fichten- und Zirbenwald und eine bucklige Weide zu grünbrauner Langeweile. triftige Gründe gibt es in beiden Fällen, aber sind sie auch langfristig durchdacht? Sind sie auch Teil einer Tourismusstrategie die diesen Namen verdient?

Die Vorteile einer Anbindung an den öffentlichen Verkehr im Falle Ried sind natürlich nicht von der Hand zu weisen. Der Brunecker Hausberg ist längst Opfer eines gigantischen und höchst erfolgreichen Tourismusindustrie geworden. Unberührt davon sind allenfalls einzelne Hänge (wie eben der Nordost-Hang). Trotzdem sind die Befürchtungen von Anrainern und Naturfreunden ernst zu nehmen, die befürchten ein Stück Natur vor der Haustür gegen noch mehr Belastungen einzutauschen. Von Arroganz indes zeugt die Eile der Landesregierung in diesem Fall, die nicht gewillt war die Entscheidung eines für den Herbst anberaumten Volksentscheids abzuwarten.

Auch in Sexten gibt es triftige Gründe. Schigebiete zu vernetzen ist sicherlich ein Zeichen der Zeit. Die Verbindung von Schigebieten ist wohl der einzige Ausbau der ökologisch noch einigermassen zu rechtfertigen ist. Und doch gerät man auch dadurch in eine Spirale des ewigen Wachstums, wo ein Schigebiet das andere auszustechen versucht. Eine Spirale die zuguterletzt mehr Verlierer als Gewinner produziert, die die Tourismusgebiete davon abhält nach umwelt (und menschen-)schonendere Formen des Schitourismus zu suchen.

Im gesamten Hochpustertal sollte man sich ernsthaft überlegen wohin der Weg gehen soll. Ganz elementare Fragen sollten diskutiert werden bevor weiter auf Ausbau der Infrastrukturen gesetzt wird. Haben die Touristenzahlen nicht schon ein erträgliches Maß überschritten? Ist eine weitere Steigerung derselben für die Volkswirtschaft überhaupt noch nötig? Bevor unsere Landespolitiker die Entscheidungen treffen, die für kommende Generationen so entscheidend sind, sollten sie sich die Mühe machen im Privatauto an einem regnerischen Sonntag-Nachmittag im August von Bruneck nach Innichen zu fahren um dort zur romanischen Stiftskirche zu spazieren. Und dann sollten sie sich bewusst werden, dass der Stau und die Menschenmassen die sie dort erlebten für viele Menschen nicht Teil eines einmaligen Abenteuers sind, sondern Alltag bedeuten.

Tourismus kann einen Punkt erreichen, wo die Negativfolgen für die Gesellschaft die positiven überwiegen. Verkehr, Lärm, Umweltverschmutzung sind dabei die sichtbarsten, soziologische Folgen, etwa die Beeinträchtigung sozialer Netze, Entwurzelung, Verlust von Rückzugsgebieten und Treffpunkten sowie der Verlust eines eigenens Rhytmuses durch die extreme Saisonalität des Tourismus sind weniger evident, aber sicherlich nicht weniger bedeutend. Dass etwa die alteingesessene Bevölkerung der Tourismusmetropole Barcelona ihr einst so geschätztes Stadtzentrum mittlerweile meidet wie es nur geht, ist nicht nur eine Kuriosität. Einhergeht auch ein Verlust von gesellschaftlichen Strukturen, die über Jahrhunderte gewachsen sind. Ab einem gewissen Punkt werden die Segnungen des Tourismus durch dessen Nachteile aufgehoben, manchmal sogar ins Gegenteil verwandelt. Während bei einem maßvollem Tourismus die Begegnungen mit den Gästen aus Nah und Fern eine Bereicherung darstellen, wird diese durch Abneigung und Vorurteile ersetzt, sobald die Touristenmassen die Fußgängerzonen und Schihütten überschwemmen.

Natürlich gibt es Tourismusformen die sanfter sind als andere, der Sommertourismus etwa ist in den Alpen meist sanfter als der Wintertourismus. Das Problem ist nur, dass die zwei nicht zur Gänze vereinbar sind, zumindest dann, wenn es sich bei letzterem um einen Schitourismus handelt. Kronplatz, Plose oder Meran 2000 haben ihren Reiz als sommerliches Erholungsgebiet weitgehend verloren. Während sich im Sommer auf der Seiser Alm hauptsächlich Touristen die Klinke in die Hand drücken, ist so manche Hütte in den schipistenarmen Sarntaler Alpen an freien Tagen zum Bersten voll mit „Doigen“.

Auch diesbezüglich ist ein weiterer Ausbau des Wintertourismus kritisch zu hinterfragen (auch wenn Sexten hierbei den Vorteil hat, dass die Aktivitäten von Winter- und Sommertourismus räumlich weitgehend getrennt sind). Die Tourismusleitbilder, die in den letzten Jahren in Bezirken und Gemeinden Südtirols mit viel Mühe erstellt wurden, scheinen jedenfalls totes Papier zu bleiben. Eine Landesregierung mit fast masturbatorischer Entscheidungswut, zieht es jedenfalls noch immer vor aus dem Bauch heraus zu entscheiden.

Arme Kulturlandschaft - Reaktionen II

(Aus ff 26 vom 25. Juni 2009; Leserbrief bezugnehmend auf Gastkommentar von Andreas Hilpold in ff 20/09 über den Naturschutz in Südtirol)

Der Gastkommentar über ausgeräumte, planierte und verarmte Kulturlandschaften bestätigt, was wir in den letzten 20 Jahren durch unsere botanischen und landschaftsökologischen Untersuchungen belegen und beobachten konnten. Der Bericht gibt jenen Wanderern, Naturliebhabern und Südtirol-Urlaubern Recht, die sich fragen, wo denn Südtirols Bergblumenwiesen geblieben sind. Wo vor 10 bis 20 Jahren kräuter- und artenreiche Wiesen von guter bis hervorragender Futterqualität standen, findet man heute intensiv bewirtschaftete Grünflächen, artenarm, von geringer Futterqualität und so sehr mit Phosphor, Kali und Stickstoff überdüngt, dass mancherorts nur mehr der Sauerampfer wächst. Solange Südtirols Milchbauern mit 2,3 Großvieheinheiten pro Hektar mehr Vieh in ihren Ställen halten dürfen als anderswo in Europa, so lange werden sie, weil eigenes Gras und Heu nicht ausreichen, Kraftfutter, Getreide und Hülsenfrüchte von außen zukaufen. Und solange diese Situation anhält, wird weiterhin viel zu viel Gülle produziert, in Mengen die Wiesen, Böden und Gewässer nicht verkraften werden.
Hilpold bringt das Dilemma der Südtiroler Milchwirtschaft auf den Punkt: Erfolgt in den nächsten Jahren kein Umdenken seitens der verantwortlichen Politiker und Verbandsfunktionäre, wird die Versalzung der Böden weiter fortschreiten, während Futtermenge und Futterqualität abnehmen, was langfristig auch die Grundlagen der Milchwirtschaft gefährdet. Dass die Lage ernst ist, dürfte auch Landesrat Berger bewusst sein. Bleibt die Frage, wann und auf welche Weise er dieses Problem anzugehen gedenkt.
Einige Bauern haben bereits reagiert. Sie haben ihren Viehbestand den Flächen angepasst, das heißt verkleinert, und verzichten auf den Zukauf von Futter von außerhalb. Sie bewirtschaften ihren Hof naturnah oder biologisch und fahren damit nicht schlecht.
Anstatt Mist und Gülle auf Wiesen und Almen zu entsorgen, machen wir es doch wie Betriebe aus Österreich und der Schweiz. Sie kompostieren Mist und Gülle und vermarkten diese gewinnbringend als begehrten Dünger für den gewerblichen Obstanbau, Gärtnereien und Private.
Norbert Dejori, Vereinigung Südtiroler Biologen,
Meran

Freitag, 26. Juni 2009

Hilferuf Villanderer Alm

Liebe Bürger, Verbände und Vereine,



ich besuchte gestern in einem Tagesausflug die Villanderer Alm und kam einigermaßen deprimiert zurück. Der Zustand des Moorgebietes hat meine schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Die einst ausgedehnten Wollgraswiesen, die dem Gebiet seinen einzigartigen Charakter verliehen, sind auf kleine Bestände dezimiert worden. Beinahe jede Fläche weist, zumindest am Rande des Weges, einen Entwässerungsgraben auf, eine weitere Verschlechterung ist damit vorprogrammiert. Die Menge an Hahnenfuß und Sauerampfer in den Wiesen zeugen von einem hohen Gülleeinsatz. Außerdem wird an zahlreichen Stellen gebaggert und gebaut. Sogar an der höchsten Stelle der Alm wird gerade ein Weg gebaggert, anscheinend um eine Grenzmark zu verlegen. Der Landschaftsschutz scheint in keinster Weise zu funktionieren. Der Zustand der Alm hat sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Die vollständige Zerstörung dieses europaweit einzigartigen Moorgebietes scheint nur mehr eine Frage der Zeit zu sein.
Ich denke es ist höchste Zeit dass sich eine breite Initiativgruppe bildet um die Alm zu retten. Ich fordere daher alle Vereine denen die Zukunft unseres Landes am Herzen liegt aktiv zu werden.


mit freundlichen Grüßen

Andreas Hilpold
 
XStat.de